CRACK

Performatives Konzert



 "Images are nothing more than images. Reality is so much bigger than we can think of.

And all this fits inside of us."

 

Eine Figurenspielerin und ein Musiker kreieren live „aus Text und Textilien“ eine poetische Performance im Spektrum von Installation, Konzert und Storytelling.

 

Die Erzählung von Mary, die auf ihrem Lebensweg- von politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Umständen geleitet- aus Indonesien nach Europa und Afrika kommt, wird verflochten mit der Reise eines Mythos aus dem indonesischen Schattentheaterspiel „Dewaruci“.

In einem überdimensionalen Bilderrahmen gestaltet die Performerin mit Textilien immer neue Bilder; und Lage für Lage arbeiten sich die Ereignisse durch das dreidimensionale Bild.

Auf der Basis eines kongenialen Dialogs zwischen Performance, Text und Musik, die mit Gitarre und live- Sampling arbeitet, erzählt crack von dem Verhältnis von Mikrokosmos und Makrokosmos.

 

In englischer Sprache.

 

Dauer: ca 60 Minuten

 

Konzept, Texte, Performance       Lena Tempich

Musik                                                Ralf Tibor Stemmer

Artistic Coach                                  Tim Jones

 



Auf dem fidena- portal gibt es in der Rubrik "Die aktuelle Kritik" eine Rezension zu der Aufführung am 8.11.15 in den Rottstr5 Kunsthallen.



Aus der Kritik von Meike Hinnenberg:

"Dann – endlich – betreten der Musiker Ralf Tibor Stemmer und Lena Tempich, Gründerin der Kompanie, ausgebildete Figurenspielerin, (Sand)Bildhauerin und somatische Bewegungskünstlerin, die Bühne. Tempich, in schlichtes Schwarz gekleidet, eröffnet die Performance: „I am a storyteller / I am listening.“ Tatsächlich scheint die Erzählung dieses Abends nicht die eines mit sich selbst identischen Subjekts zu sein, das der Welt (s)einen Sinn verleiht. Viel eher ließe sich die Arbeit der Kompanie als Versuch einer kreativen und vieldimensionalen Antwort auf die Welt beschreiben, die uns anspricht, in die wir verstrickt sind, die wir in unseren Antworten aber weder einholen noch endgültig bestimmen können. Und so entfaltet sich die Erzählung als Textur, als vielschichtiges Gewebe, in dem sich Musik, Sprache, Klang, Bewegung, Raum und Körper ineinander verwickeln.

Diese textile Dimension des Theaters reflektiert die Performance auf vielfältige Weise: Einerseits werden Stoffe zu Elementen und Trägern erzählter Geschichten. Andererseits fungieren Textilien immer wieder als Material der Aufführung, mit dem Tempich spielt, das in der Lage ist zu verhüllen und zu enthüllen, das immer wieder neue Schichten preisgibt, ohne allerdings jemals zu einem Kern oder einem Ursprung vorzudringen.

Insbesondere der vermeintliche Guckkasten, der wie eine Bühne auf der Bühne wirkt und dessen Vorhang etwas preiszugeben verspricht, eröffnet gerade kein Bürgerliches Trauerspiel. Hinter einer Lage Textil, die entfernt wird, liegt nur die nächste; und jede Lage, jedes Stück Stoff ruft neue Assoziationen hervor: Stoffe, die wärmend und schützend scheinen, die zum Verstecken einladen; Stoffe, die an Kleidung oder Fahnen erinnern, die zum Symbol kultureller oder nationaler Identität werden können; Stoffe als Träger von Farben und Formen, die bereits erzählte Geschichten ins Gedächtnis oder Empfindungen wachrufen; Stoffe, die eine eigene haptische Qualität haben; Stoffe, die im Rahmen kapitalistischer Produktionsweisen instrumentalisiert und zum Zeichen von Ausbeutung werden können; Stoffe, die immer neue Möglichkeiten der (Ent-)Faltung und Bewegung versprechen.

Auch wenn die Performance an manchen Stellen noch kleinere dramaturgische Schwächen aufweist, scheint gerade dieses Versprechen einer ursprunglosen, nicht endenden Entfaltung eine der großen Stärken der Arbeit zu sein. Immer wieder entstehen neue Bilder und immer wieder erspielt sich Tempich neue Bezüge zwischen verschiedenen Elementen. „She was living with her finger in a house, she was living with her belly in a country, she was living with her hair in a universe…", erzählt die Performerin. "A bird in the shape of a land, a land in the shape of a house, a house in the shape of an angel, an angel in the shape of a shadow puppet …”

Obwohl diese Performance auf den ersten Blick ganz und gar nicht politisch anmutet, scheint in dieser permanenten spielerischen Auf- und Einfaltung, in dieser Arbeit, die Bewegung selbst als Aufenthalt denkt, eine politische Dimension auf: „Diversity", sagt Lena Tempichs Bühnenfigur, "there is a crack in everything. There is movement in everything. Migration is movement. Migrating somewhere… Move, move, move.”